Luna kam im Juni 2016 in unsere Familie (aktives Rentnerehepaar). Sie war ca. zwei Jahre alt und hatte die Hölle hinter sich. Den spanischen Tierschützern aus Villarrobledo verdankt sie ihr Leben. Die ersten zwei Jahre verbrachte sie in diesem Tierheim in Spanien. Von der Welt kannte sie nichts, war total verängstigt, aber auch neugierig und verfressen. Das war unser Glück… Nach ihrer Ankunft ließen wir tagelang alle Türen zum Hof und zur Wohnung offen. Nach Tagen fasste sie sich Mut und kam vorsichtig in die Wohnung, zog sich aber schnell wieder in die Transportbox im Nebenraum zurück, wo ich auch die ersten Tage bei ihr schlief. Sie baute zu mir schnell Vertrauen auf. Mit Männern hatte sie lange ein Problem, leider auch mit meinem Mann.
Im Netz las ich, dass Podenco-Besitzer stundenlang im Wald auf ihre Hunde warten mussten. Andere konnten sie nie von der Leine lassen. Das wollte ich beides nicht. Aber nun war es da, ein kleines, zartes, verängstigtes, sensibles Podenco-Mädchen, und ich fragte mich, ob ich wohl die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Wie das mit der Stubenreinheit so geht, hatte sie schon innerhalb der ersten Tage begriffen. Im ersten Sommer haben wir verstärkt am Rückruf gearbeitet (so viele Leckerli wie bei Luna waren bei meinen Hunden davor nie im Einsatz gewesen). Da wir ländlich wohnen, konnte ich bald schon kleine Radtouren im Freilauf mit ihr machen. Im folgenden Winter gingen wir mit ihr im Harz Skifahren (Langlauf). Unser kleiner Wirbelwind hatte viel Freude an beiden Aktivitäten.
Anfangs jagte sie alles, was uns begegnete: Katzen, Wildschweine, Rotwild, Rehwild, Lamas, Füchse. Sie hatte die Tiere ja immer vor mir wahrgenommen, war aber Gott sei Dank stets abrufbar. Auch diese Probleme haben wir ziemlich schnell in den Griff bekommen. Ich musste nicht länger als zwei Minuten auf meine Luna warten, wenn sie mal einen Abstecher in den Wald gemacht hatte. Gewundert habe ich mich dann oft, dass sie aus einer ganz anderen Richtung wiederkam, als sie vom Weg abgebogen war. Will sagen, sie war sehr schnell unterwegs.
In den folgenden Jahren haben wir Mehrtages-Radtouren mit Hundeanhänger gemacht. Sie war sehr gern und ausdauernd (in Abhängigkeit von den Temperaturen und dem Geläuf) am Rad unterwegs – wenn möglich im Freilauf. Auch der Rückruf an das Fahrrad in der Bewegung klappte supergut. 2020 habe ich mit Luna und zwei Wanderfreunden eine einwöchige Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing unternommen. Am Abend war meine süße Fellnase lange nicht so geschafft wie wir Zweibeiner. Auch hier hat sich gezeigt, dass Podis ausdauernde Laufhunde sind.
Seit letztem Jahr habe ich für Luna und mich entdeckt, auf der Via Romea Germanica, dem Pilgerweg nach Rom, zu gehen. Wir laufen in Etappen von etwa einer Woche ungefähr 120 km bis 150 km, in Abhängigkeit von der nächstmöglichen Unterkunft mit Hund. Allerdings gehen wir nur im Frühjahr und Herbst bei passenden Tagestemperaturen um 15 Grad. So sind wir in den zwei Jahren von Stade bei Hamburg bis Rothenburg o.d.T. gewandert. Wir zwei gehen fast immer alleine, weil ich mich dann besser auf die Bedürfnisse meines Hundes einstellen kann.
Sie war/ist immer ein sehr sensibler Hund, der nie was kaputt gemacht hat. Im Konflikt geht sie nie nach vorn, Zecken kann ich auch an sehr intimen Stellen ohne Gegenwehr entfernen. Sie hat gelernt, dass die Krallen geschnitten/geschliffen werden müssen, dass der Staubsauger (ohne Kabel) gar nicht so schlimm ist und noch vieles andere mehr. Bei Hundebegegnungen ist sie seit einem Beißvorfall (zwei Doggen im Freilauf) wählerischer geworden und hält sich meist zurück, außer bei den zwei Huskies im Ort. Da vergisst sie, dass diese nicht ihre Gewichtsklasse sind 🤣.
Jetzt ist Luna 12 Jahre alt, der Rückruf klappt nur noch gut mit einem sehr lauten Pfiff oder mit Klatschen in die Hände. Die Augen werden etwas trübe, aber sie läuft immer noch sehr gern – bei entsprechend kühlen Temperaturen noch etwa zwei km nicht am, sondern vor dem Fahrrad.
Ich hatte die Rasse Podenco/Podenco-Mix bewusst ausgesucht, weil ich einen aktiven Begleiter für unsere sportlichen Aktivitäten (Radfahren, Wandern, Skifahren), nicht zu groß (40cm und 10kg) und kurzhaarig, gesucht hatte. Gesehen hatte ich sie nur im Video. Die Beschreibung der Hündin durch A.S.P.A. friends e.V., der Transport nach Deutschland, die Beratung zur Rasse durch den Verein sowie die Vorkontrolle und Beantwortung späterer Fragen durch die damalige Regionalbetreuerin kann ich nur lobend erwähnen. Auch waren die tierärztlichen Begleitpapiere aussagefähig. Luna hatte bei Einreise erhöhte Ehrlichiosewerte, wahrscheinlich durch Zecken übertragen. In zehn Jahren hat sich das aber nicht negativ ausgewirkt. Ich barfe sie mit allem, was dazu gehört, und sie war nicht oft krank. Begleitet in den zehn Jahren hat uns eine tolle, ganzheitlich arbeitende Tierärztin, die mein volles Vertrauen hat.
Rassetypisch ist das samtige Fell. In den zehn Jahren in Deutschland sind die Hosen etwas gewachsen und am Hals ist ein wenig Unterwolle als Kragen gewachsen. Ein richtiges Winterfell ist aber nicht entstanden und spätestens bei Temperaturen knapp über 0 Grad ist 'Mäntelchenzeit'. Bei Regen geht sie problemlos mit raus – auch ohne Mäntelchen. Ein Wasserhund ist sie nicht geworden. Sie steigt zwar in unseren Fluss, aber möglichst so, dass der Bauch dabei nicht nass wird.
Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Luna war eine gute Wahl für meinen Mann und mich. Sie hat sich so toll entwickelt und wurde ein selbstbewussterer Hund, blieb aber immer vorsichtig und manchmal auch schreckhaft bei lauten Geräuschen. Sie hat sich durch ihre sanfte, nette, ruhige Art in die Herzen vieler Menschen eingeschlichen. Ein richtiger Kuschelhund ist sie allerdings nicht geworden.
Dies alles habe ich aufgeschrieben, um anderen Menschen Mut zu machen, wenn sie Zweifel haben, ob ein Tierschutzhund und speziell ein Podenco wohl die richtige Wahl für sie sein könnte. Mein Mann und ich haben unsere Entscheidung für Luna nie bereut.
Schreibt uns eure Happy End Geschichte an info@aspa-ev.de ![]()
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